Wiesdorf und die Golden Twenties

Erstellung einer visuellen Stadtführung,
die wie eine App anzusteuern ist

Die Gästeführer:Innen Leverkusen & Bergisches Land haben eine visuelle Stadtführung entwickelt,  in der 10 Wiesdorfer Orte präsentiert werden.

Standorte

  1. Die Kolonie Anna mit Erholungshaus, Kolonienmuseum, Feierabendbrunnen und Gärten
  2. Hauptstraße mit ehemaligen Geschäften und öffentlichen Gebäuden
    Feuerwehrhaus, katholische Grundschule (Heute Montessorischule)
  3. Katholische Kirche mit Gemeindesaal, Evangelische Kirche und Anbau im Stil der neuen Sachlichkeit sowie dem zu belebenden Marktplatz
  4. Musikschule ehemals evangelische Hauptschule und Unterkunft für den ersten kaufmännischen Unterricht
  5. Gebäude, die es nicht mehr gibt, aber eine zentrale Rolle für die Stadtentwicklung spielen: Altes Rathaus, Bayerkaufhaus, St. Joseph Hospital, Wöchnerinnen und Mädchenwohnheim, Kolonie1
  6. Gebäude, die für das Leben des neuen Mittelstands in Wiesdorf konzipiert wurden:
    Realschule am Stadtpark, CD-Gymnasium und Mädchenlyceum, Stenografenverein
  7. Stadtpark und Flusslandschaft wird für die Freizeitaktivitäten der Golden Twenties neugestaltet (Stadtpark, Sportstätten, Suppenschüssel, Fußball, Haus am Park Manforter Hof Lindenhof)
  8. Neues Wohnen: Neuenhof-Siedlung mit Bebelhaus
  9. Neues Wohnen: Johanna, Eigenheim,
  10. Außenstelle Beamtensiedlung, Kasino und CD Park

Zur Tour Golden Twenties

Die Seite kann in Aktionen und Projekten mit visuellen Ergänzungen erweitert werden. Diese Projekte sind nicht Gegenstand dieses ersten Vorhabens, allerdings bildet die visuelle Stadtführung die Basis der Implementierung. Dadurch kann in den Folgeprojekten eine optimale Nachhaltigkeit erzielt werden. Diese Folgeprojekte sind derzeit:

Foto und Filmdokumentationen von Theaterspaziergängen

  • Doris das kunstseidene Mädchen in Wiesdorf, Theaterspaziergang
  • Ergebnisse von Oral History Projekten: z. B. Stadtführungen oder Oral History Gesprächen
  • Foto- Film und Tondokumentationen von Tanz und Musikveranstaltungen: Projekt des Bürgerfonds Wiesdorf z. B. Musik und Tanz der Golden Twenties
  • Kulturprojekte B. Kulturrucksack für Kids in Wiesdorf

Es entsteht so eine lebendige Stadtführung die das Leben in der Stadt vor 100 Jahren sinnlich erfahrbar macht. Zugleich können die Bürger bei der Stadt, bzw. andere Vereine beteiligt werden.

Folgende Bausteine werden in der visuellen Stadtführung kombiniert:

  • Hinterlegung von Routen und Standorten (Tourenplan, Programmierung)
  • Texte für Hintergrundinformationen (schreiben)
  • Bilddokumentationen (Kombination von aktuellen Fotos und Archivfotos)
  • Gesprochene Texteinspielungen und O Töne und kleine Filme, die in weiteren Teilprojekten entstehen

Die Software ist so konzipiert, dass auch nach Fertigstellung Elemente zu einem bestehenden Standort hinzugefügt oder auch um weitere Standorte ergänzt werden kann.  Des Weiteren ist ein Zeitsprung möglich, der eine andere Epoche aufzeigt. Z. B. Wiesdorf in den Wirtschaftswunderjahren.

Ebenso ist die Grundkonzeption später durch neue Standorte erweiterbar. Solche Erweiterungsaspekte ergeben sich in der Regel im Prozess der Durchführung. Innerhalb der Durchführung und der ersten Theaterspaziergänge wurden auch schon die ersten Themen von Interesse benannt. Besonders viele Nachfragen gab es zum Thema Juden, Zwangsarbeiter (insbesondere aus der Ukraine) im 3. Reich und die Rolle von Bayer.

Die Stationen gliedern sich in zwei Komplexe, die als Teilführungen gestaltet wurden.

  1. Zu Fuß im Innenstadtbereich und Kolonie Anna = kleine Führung
  2. Mit dem Rad zu den Aussenstellen (Neuenhof, Dhünn, Eigenheim, Beamtenkolonie, CD Park und Bayerwerk) = große Führung

Theaterszenen aus dem kunstseidenen Mädchen gestaltet von dem jungen Theater Leverkusen. Einige Gäste kamen im Stiel der 20er Jahre gekleidet.

2. Hintergrund: Wiesdorf – historische Kulisse für die Golden Twenties

1921 ist Wiesdorf mit 2100 Einwohnern Stadt geworden. 1930 erfolgte der Zusammenschluss mit Schlebusch zur Stadt Leverkusen. Bis in die heutige Zeit geblieben ist der Leverkusener Stadtteil Wiesdorf, mit zahlreichen Gebäuden ein Zeitdokument der Zwanziger Jahre. Eine Zeit in der nach Abzug der britischen Besatzer zahlreiche sozialen Umbrüche in der Lebenswelt von Frauen in Beruf und Familie, in der Kultur und im Sport stattfanden. Die kurze Zeitspanne bis zur nationalsozialistischen Machtergreifung wird unter dem Stichwort Golden Twenties beschrieben. In dieser Zeit wurde der ehemalige Farbenkonzern Bayer umgebaut und entwickelte zahlreiche neue Produkte für das moderne Leben. Kunstseide für die Bürobluse der Sekretärin, Aspirin gegen Migräne und einen Kater, Gummisohlen für den Sportschuh und Gummibänder für moderne Bademode. Ergänzende Accessoires waren Sonnencreme und sonstige Lifestyle- und Pflegeprodukte. Hinzu kam der Aufbau der Sparte Gartenbau und die Koloniengärten und der Gartenbauverein wurden ein neues Experimentierfeld der neuen Sparte Pflanzenschutz.

Der Stadtteil Wiesdorf mit Gebäuden aus der Kaiserzeit und Weimarer Republik ist ein Ort, der noch immer die Zeit vor rund 100 Jahren gut dokumentiert.

  • Die Kolonien, die zwischen 1900 und 1930 errichtet wurden sind das größte Flächendenkmal in NRW. Die zwischen 1912 bis 1930 errichtete Kolonie Johanna schaffte es sogar in die Architekturblätter der Weimarer Republik als gelungenes Beispiel humaner Architektur für den industriellen Siedlungsbau.
  • Zahlreiche Gebäude, die über 100 Jahre das kulturelle Leben in Wiesdorf prägten stehen noch. Zum Beispiel das Erholungshaus als Einrichtung für die Volksbildung und Theateraufführungen. In den 20er Jahren wurde das Erholungshaus für die gesamte Wiesdorfer Bevölkerung geöffnet. In der Kaiserzeit war das Multifunktionsgebäude der Bayer Belegschaft vorbehalten. Anspruchsvolles Theater und Musikvorführungen für die breite Bevölkerung war ein neuer egalitärer Volksbildungsansatz. Das Erholungshaus ist der Ort in dem mittlerweile über 100 Jahre Kultur in Form von Musik, Theaterevents, Vorträgen und Ausstellungen der Bevölkerung dargeboten wurde.
  • Eine besonders lange Tradition hat die Wiesdorfer Musikpädagogik. Mit der Entstehung der Stadt Wiesdorf wurde der städtische Chor für Frauen und Männer gegründet. 1930 entstand die Musikschule mit einer fast 100-Jährigen reformpädagogischen Musikbildungstradition.
  • Zahlreiche öffentliche Gebäude, z. B. Schulen Realschule am Stadtpark und CD Gymnasium boten der Bevölkerung neue Bildungschancen, die auf die Etablierung eines ausgebildeten Mittelstandes der jungen Stadt hin abzielten.
  • Zum Thema Bildung sei auch erwähnt, dass Bayer und die IG Farben auch in der Schaffung des neuen Ausbildungsberufs „Bürogehilfin“ (1927) reichsweit eine führende Rolle spielte und die Leverkusener Sekretärinnen des Öfteren Landes- und Reichssiegerinnen in Schnellschreibwettbewerben der Stenografen Vereine Der Stenografen Verein war damals die Einrichtungen wo Frauen das Tippen lernten und sich berufsbegleitend in der Stenografie oder anderen wichtigen kaufmännischen Funktionen weiterbilden konnten.
  • Protestantische und katholische Gemeindehäuser und Kirchenentstanden mitten in der City als Orte des Austauschs und des sozialen Lebens der Bevölkerung. Die Gebäude gibt es noch heute.
  • Last but not least wurden Parks und Sportstädten angelegt, die das Freizeitverhalten der Menschen prägten. Zahlreiche Skulpturen im CD Park kommen aus dieser Zeit. Der Stadtpark wurde als öffentlicher Lunapark mit Sportstädten angelegt.

Die Stadt bietet also sehr viele Denkmäler und öffentliche Orte, die an die Golden Twenties erinnern.

3. Vernetzung und Nachhaltigkeit

Die virtuelle Plattform bietet vielfältige Möglichkeiten andere Kulturprojekte als Teilbeiträge zu integrieren.  Es wird also die elektronische Basis für eine positive Selbstdarstellung des Stadtteils geschaffen. Synergien entstehen durch die Kooperation mit anderen Kulturinitiativen und Partnern. Die Bevölkerung wird zum Mitmachen einbezogen. In der virtuellen Stadtführung wird ein nachhaltig zusammenführender roten Faden geschaffen, der entscheidend zur Imageverbesserung des Stadtteils beiträgt. Zugleich werden der freien Kulturszene in Leverkusen neue Perspektiven für Aktivitäten eröffnet, (Mitmachkonzerte, Tanzevent, Film und Theaterprojekte) die den Bürgern einen neuen Rahmen eröffnen, sich einzubringen und für Kultur zu begeistern. 

Die ersten Folge- und Nutzungsaktivitäten sind bereits zu verzeichnen:

  1. Nutzung der visuellen Stadtführung für Schulen (Projektarbeiten der Jugendlichen zum Thema Heimat insbesondere 11. Klasse)
  2. Nutzung der visuellen Stadtführung für die Kinder und Jugendarbeit (z. B. Projekttage Kulturrucksack)
  3. Kulturprojekte z. B. Theaterspaziergang mit Videoszenen
    Musik- und Tanzveranstaltungen (Insbesondere zu den Kulturprojekten werden Szenen angeschaut und Sachverhalte nachgeschaut, z. B. weiterführende Infos zu Irmgard Keun oder die Musik der 20er Jahre. Tatsächlich fanden gehäufte Buchungen von Gesprächskreisen und Kulturclubs statt. Diese Gruppen sind zuvor eher zu Kulturevents nach Köln und Düsseldorf gefahren. Die Kombination von Stadtführung und Nachbereitung ihrer Gesprächsrunden wurde sehr begrüßt.
  4. Gesellige Veranstaltungen von Leverkusen Kult Tour e.V. in der Doktorsburg

Kooperationspartner in diesen Projekten

  • Junges Theater Leverkusen e.V.
  • Kunstpädagogik Schloss Morsbroich
  • Städtischer Chor Leverkusen e.V.
  • Studiobühne Leverkusen e.V.
  • Tanzsportverein Leverkusen e.V.

Die Filmszenen sind auf der Seite von LEV Touren komplett eingestellt für die Nutzung durch Schulen. Einzelne aussagekräftige Szenen wurden in die Seite von LEV Touren integriert. Die Nachbearbeitung und Einstellung ins Netz konnte im Juni 2023 abgeschlossen werden.

Das Projekt wurde von der Kulturstadt Leverkusen sowie dem Bürgerfonds Wiesdorf gefördert und ist vom September 2022 bis Juni 2023 durchgeführt worden.